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Ich weiß nicht mehr, wie man shoppen geht

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Mit der besten Freundin verabreden, noch einen Kaffee to Go beim Coffeeshop des Vertrauens mitnehmen und von einem Laden zum anderen bummeln, ganz ohne Ziel. So geht das doch mit dem Shoppen, oder? Ich weißt es inzwischen schon gar nicht mehr.

Vermutlich bin ich von der Bloggeritis befallen und habe deswegen einen völlig vernebelten Blick, wenn es ums Shoppen geht. Das ist diese Krankheit, die macht, dass man zwangsläufig alles haben will, was auf Instagram und Co. von den Grande Dames der Bloggerwelt gepostet wird. Dabei verliert man leicht das Gefühl dafür, was man selber eigentlich wirklich gut findet.

Heute sind es dann mal die Fransen High Heels oder die Turnschuhe mit goldener Spitze, gestern war es die Handtasche mit goldenen Details und vor einer Woche musste noch jeder exotisch bestickte Bomberjacken haben. Und was wir morgen alle mögen werden? Mal sehen.

Es muss immer das neueste Teil sein, was schon im Kleiderschrank hängt, interessiert niemanden. Das Problem ist, dass diese neuen „It-Pieces“ meist nicht unbedingt von den Bloggern persönlich kuratiert werden. Vielmehr entspringen sie den Marketing-Abteilungen großer Firmen, die ein neues Produkt bewerben wollen, und zwar mit Hilfe von Influencern.

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Influencer Marketing: Der heiße Scheiß

Influencer kann sich jeder nennen, der einen Blog hat oder eine social media Plattform bedient. Und mit Influencern zu werben ist schon seit längerer Zeit der heiße Scheiß. Schließlich haben sie viele Follower, die immer und überall wissen wollen, was ihr großes Idol gerade anhat oder wo es derzeit gerne zu Mittag isst.

Also werden diesen einflussreichen Bloggern tolle, neue, feshe Produkte zugeschickt. Natürlich für lau. Damit sie sie ihren vielen, vielen Fans zeigen können. Wenn euch also mal auffällt, dass auf Instagram erstaunlich viele Leute ihre neuen Adidas Gazelle Sneakers präsentieren und davon schwärmen, dass sie die neuen Lieblingsschuhe sind, dann obacht! Es steht vermutlich eine Großsendung von Samples an Blogger dahinter.

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Wieder für mich selbst shoppen

Nun bin ich vor diesen tollen Werbemaßnahmen leider auch nicht gefeit und verfalle diesen schön inszenierten Produkten. Und muss mich inzwischen fragen: finde ich all diese angepriesenen Schuhe, Taschen, Hosen und Jacken wirklich schön? Oder werden sie mir einfach immer und immer wieder vor den Latz geknallt wie ein Lied im Radio, an das man sich am Ende einfach gewöhnt?

Auch der Betrieb meines eigenen Blogs verzerrt meine Sicht auf Kleidung. So denke ich beim Shoppen immer auch: „Könnte ich dieses Teil in einem Beitrag vorzeigen“? Und halte mir selbst dabei ein kastenförmig geschnittenes Oberteil in neonfarbenem Softshell vor die Nase. Vorzeigen könnte man das vielleicht, ja. Aber im Alltag bei der Arbeit tragen oder sich tatsächlich wohl darin fühlen? Höchstwahrscheinlich nicht.

Dabei ist Mode doch schon immer mein Hobby gewesen. Ich habe immer viel Zeit damit verbracht, interessante Kombinationen auszuprobieren, habe meine Kleidung mit individuellen Kleinigkeiten aufgepimpt. Und nun soll mir das nicht mehr reichen? Dass ich ein Kleidungsstück einfach kaufen möchte, weil es mir gefällt, wäre ja auch zu einfach. Schließlich geht es beim Bloggen ja nicht nur um die schönen Klamotten, sondern auch um den Text dazu. Erst letztens habe ich eine Stunde lang Jacken, Röcke und Oberteile durcheinander an- und wieder ausgezogen, um ein passendes Outfit für einen Blogpost zu finden. Geht ja nicht, dass ich einfach einen Look zeige, weil er mir gefällt. Er muss eine Geschichte erzählen. Logischerweise haben neu geshoppte Klamotten aber noch nicht wirklich viel mit mir erlebt. Darum fällt es mir nicht nur schwer, Dinge zu shoppen, die ich gerne mag, sondern muss mir auch noch überlegen, was ich zu den neuen Errungenschaften alles texten könnte.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit will ich an dieser Stelle gar nicht anfangen. Ihr könnt euch vermutlich denken, welche Auswirkungen diese Hinterrenn-und-wegwerf-Mentalität hat…

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Ich mache mich frei

Was also tun, wenn das eigene Konsumverhalten von so vielen Fremdfaktoren beeinflusst wird? Man muss sich frei machen von ihnen. Zumindest mental. Mich der (digitalen) Mode-Welt ganz entziehen kann ich nicht, und das möchte ich ehrlich gesagt auch nicht. Denn auch, wenn ich manches an der (Fashion-) Bloggerinszenierung nicht leiden kann, liebe ich Mode einfach unheimlich. Es inspiriert mich zu sehen, was andere Leute tragen, wie sie Kleidung kombinieren.

Ich lasse mich inspirieren, aber ich sollte mich nicht beeinflussen lassen. Und vieles hinterfragen: wenn die hochgelobten Turnschuhe einer Bloggerin nicht unbedingt zu ihrem restlichen Stil passen, wird sie vermutlich für die Vermarktung derselben bezahlt worden sein. Das ist nicht schlimm und macht auch die Schuhe nicht schlechter. Aber es macht die Treter nicht zum Must-Have für mich. Am Ende des Tages kommen meine Leser ja auch zu mir, weil sie meinen Style gerne sehen und sich ebenfalls davon und von meinen Geschichten dazu inspirieren lassen. Das motiviert mich.

Wenn ich diese geistige Kette an viel ventilierte „It-Pieces“ aus dem Web verliere, kann ich vielleicht auch endlich wieder mit Genuss auf Fashionblogs browsen und mich an den hübschen Klamotten erfreuen. Und kann dann auch wieder ganz normal mit Käffchen und Freundin shoppen gehen.

LG Biene

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4 Comments

  • Reply FAIRY TALE GONE REALISTIC

    Hallo liebe Biene,
    ich kann dich gut verstehen!
    Es ist gar nicht so leicht, herauszufinden, ob man etwas haben will, weil es einem gefällt oder weil es gerade gehypt wird… ich versuche, mir beim Shoppen den äußeren Einflüssen bewusst zu sein, manchmal hilft es 😉
    Gerade als Blogger finde ich es wichtig, nicht jedes Trendteil haben zu müssen und wenn man es hat, muss man es ja nicht genauso kombinieren wie alle anderen… ich bin immer noch ein Fan von Individualität!
    Liebe Grüße
    Susi

    Dezember 7, 2016 at 8:43 am
    • Reply biene

      Na! Früher ging bei mir eigentlich immer diese Taktik gut: geht dir das Teil tagelang nicht aus dem Kopf, dann kauf es dir! Mittlerweile wird einem aber im Netz ein Teil 1000 Mal um die Ohren gehauen, sodass man es gar nicht vergessen kann.
      Abstand ist da vermutlich echt das beste Mittel. Und Newsletter abmelden 😀
      LG

      Dezember 7, 2016 at 4:24 pm
  • Reply Gerry

    Das hast du wirklich schön geschrieben :-*

    Dezember 8, 2016 at 11:10 pm
    • Reply biene

      Danke Gérry 🙂

      Dezember 9, 2016 at 8:44 am

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