Das Jahr, in dem Corona kam: Mein Jahresrückblick 2020

Dieses Jahr war anders. Und es war verdammt viel los; Proteste in Hongkong, Buschbrände in Australien, die Black Lives Matter Bewegung in den USA und die Corona-Pandemie, die die ganze Welt seit Monaten in einen Ausnahmezustand versetzt. Wie haben sich die Ereignisse des letzten Jahres auf mich ausgewirkt? Lange habe ich mich nicht zu den vielen Dingen geäußert, die dieses Jahr so in der Welt los waren. In meinem persönlichen Jahresrückblick lasse ich 2020 heute aber doch mal Revue passieren.

Wenn ich an den Beginn von 2020 zurückdenke, muss ich fast lachen darüber, wie anders die Welt da noch aussah. Ich war – wie vermutlich jeder von uns – voller guter Vorsätze in den Januar gestartet und hatte gute Laune und Energie für Drei. Ich habe einige Pläne für den Blog gehabt und in der Zeit ja auch meinen 2. Blog Sustylery online gestellt. Neben diesen produktiven Plänen hatte ich mir auch vorgenommen, mir in diesem Jahr mehr Zeit für Achtsamkeit und Selbstreflexion zu nehmen. Wer hätte gedacht, dass mir durch Corona sooo viel Zeit für Zweiteres gegeben werden würde!

Die Auswirkungen der Pandemie hat man zu Beginn noch gar nicht so wirklich absehen können. Ich war just am Wochenende vor dem ersten Lockdown ja (zum Glück!) noch auf der Hochzeit einer guten Freundin in Hamburg. Da war Corona zwar bereits Gesprächsthema auf der Veranstaltung, aber es hat wohl keiner kommen sehen, was uns die nächsten Monate bevorsteht. Dass sich ein zweiwöchiger Lockdown in mehrere Wochen verwandelt. Dass Mundschutz tragen und Abstand halten zur neuen Normalität werden. Dass sich die Welt durch die Pandemie ein bisschen langsamer drehen wird.

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Der 1. Corona-Lockdown

Daran habe ich im März, als das alles begonnen hat, nicht im Ansatz gedacht. Ich habe ja das Glück, in einem digitalen Unternehmen zu arbeiten, das mir das Home Office ermöglicht. Was meine Arbeit angeht, hat mich die Pandemie also kaum betroffen, ich habe nur eben mehr von Zuhause gearbeitet statt im Büro. Dadurch habe ich vor allem am Anfang keine besonders große Veränderung bemerkt – ich bin generell auch nicht so ein sozialer bunter Vogel, darum haben mir zu Beginn auch die Ausgehmöglichkeiten gar nicht gefehlt. Das Frühjahr hat die Flucht aus der Corona-Pandemie aber auch recht einfach gemacht. Spaziergänge zur Mittagszeit oder nach Feierabend wurden zu meinen neuen Ritualen, und es war schön, die Natur so nah zu sehen. Man hat gemerkt, dass Vögel, Hasen und sogar Rehe sich wieder mehr herausgetraut haben, einfach durch den Rückgang des menschlichen Trubels. Meine Tipps für den kleinen Zeitvertreib habe ich auch eine Weile lang in meinen Instagram Stories auf @lettersandbeads in die Highlights gesetzt, damit auch meine Community mit kreativen Ideen gut durch den Lockdown kommt.

Ansonsten bin ich die erste Zeit sehr produktiv angegangen, habe To-Do-Listen abgehakt und bin voll in meine Arbeit eingetaucht, und habe sogar meinen letters & beads YouTube-Channel mit neuen Videos bespielt. Aber je länger sich die Kontaktbeschränkungen hingezogen haben, desto egaler sind mir meine To-Dos geworden. Wenn ein Tag dem anderen gleicht, was macht es dann noch für einen Unterschied, ob man die Küche heute oder morgen aufräumt? Dies habt ihr vielleicht auch selbst gemerkt, dass durch meine Apathie hier auf dem Blog dieses Jahr nicht so viel Action war wie sonst. Auch aus den anderen Kanälen habe ich mich etwas mehr zurückgezogen. Vor allem auch, weil ich sonst das Gefühl hatte, hinter den anderen produktiven Menschen auf den Plattformen zurückzubleiben. Für mich war das für dieses Jahr aber auch eine gute Lektion, die ich gelernt habe: Die To-Do Liste muss nicht immer voll sein, und man kann auch mal nichts tun. Und das ist okay.

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Leere Einkaufspassagen sind dieses Jahr kein ungewöhnliches Bild mehr.

Pandemie ohne Plan

Natürlich war die Pandemie das Gesprächsthema, das seit Monaten in aller Munde ist. Und jeder hat eine Meinung dazu; Da gibt es die, die auf Nummer sicher gehen und wirklich niemanden live treffen wollen, die Corona-Leugner und alles dazwischen. Mein Standpunkt zu dem Thema ist nach wie vor: Maske tragen, Abstand halten und Hände waschen helfen, die Krankheit nicht weiter zu verbreiten. Dazu zählt nun mal auch der Verzicht auf soziale Aktivitäten. Das tut nach einer Weile auch mir echt weh, und ich weiß, dass es viele Leute gibt, die sowohl an den sozialen als auch den finanziellen Folgen dieser Auflagen extrem leiden. Das ist auch etwas, wo ich die Wut und die Kritik an unserer Regierung nachvollziehen kann. Einerseits finde ich es unmöglich, dass es so vielen Menschen de facto verboten wird, mit ihrem Beruf Geld zu verdienen, von dem wir nun mal alle leben müssen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Leute die Auflagen durch Corona den Job gekostet hat. Und andererseits zeigen viele Aussagen von Staatsoberhäuptern, wie unwichtig mentale Gesundheit in unserem Land wirklich ist. Es wird erwartet, dass wir mit geliebten Menschen keinen Kontakt mehr pflegen und dass das keine Auswirkungen auf uns haben soll. Wir können doch froh sein, dass wir durch Auf-dem-Sofa-Sitzen die Welt retten können (Ja, das ist eine Anspielung auf dieses bescheuerte Video…)!

Rational betrachtet weiß ich ja, dass das bei der Eindämmung der Pandemie das einzig Richtige ist. Ich bin mir auch bewusst, dass in Deutschland das Thema bis vor einigen Wochen noch gut gehandhabt wurde, und die Zahlen der Erkrankten hätte weitaus höher ausfallen können. Emotional geht es mir mit den nun wieder neu auferlegten Beschränkungen aber nicht gut, und sicher auch vielen anderen Menschen. Dass alleinstehende Menschen noch mehr Einsamkeit erfahren, und Familien zuhause das Dach auf den Kopf fällt (um nur ein paar betroffene Gruppen zu nennen), wird von den verordneten Maßnahmen nicht aufgefangen. Wo bleibt außerdem denn mal ein langfristiger Plan, auf den man sich für mehr als nur zwei Wochen einstellen kann? Zum Glück gibt es kreative Menschen, die sich trotz all der Widrigkeiten Ideen einfallen lassen, um auch auf Abstand die Verbundenheit zu ihren Mitmenschen aufrecht zu erhalten.

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Eine kranke Welt auf dem Weg zur Heilung?

Denn so sehr sich viele von uns “von oben” allein gelassen fühlten, haben sich die Menschen gegenseitig Rückhalt gegeben. Dadurch, dass sich junge Leute dazu bereit erklärten, für ihre älteren Mitmenschen Besorgungen zu machen; Durch Konzerte und Kinos, die man im eigenen Auto erleben konnte; Durch Gesang und Musik vom Balkon aus; Durch tausende Zoom-Calls, über die man doch noch Leute sehen konnte, mit denen man sonst keinen Kontakt haben könnte.

Aber auch abgesehen von diesem omnipräsenten Thema Corona loderten dieses Jahr kleine Feuer überall. Mit Protesten wurde immer lauter gegen soziale Ungerechtigkeiten gerufen – gegen Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Freiheitsbeschränkungen. Angefacht wurden diese Themen durch die Corona-Pandemie allemal. Und immer wieder prallten gegenüberliegende Seiten laut aufeinander. Durch all diese Nachrichten und Augenzeugenberichte entsteht schnell der Eindruck, dass die ganze Welt in Flammen steht.

Aber vielleicht ist ein anderes Bild doch treffender. Denn 2020 schien ein Jahr zu sein, in dem die Welt wie an einem schweren Fieber litt. Und wie bei der Reaktion des Körpers auf so eine Entzündung durchstehen wir derzeit Schmerzen durch diese sozialen Unruhen, aus denen wir vielleicht, hoffentlich, geheilt wieder herausgehen werden. Oder wie Frederic Laloux es im Kontext einer sich transformierenden Arbeitswelt gesagt hat:

“Es hört sich vielleicht überraschend an, aber ich denke, dass es einen Grund dafür gibt, zutiefst hoffnungsvoll zu sein. Der Schmerz, den wir jetzt fühlen, kommt von etwas Altem, das jetzt stirbt, während etwas Neues geboren wird.”

Ja, es sind merkwürdige und turbulente Zeiten, in denen wir gerade stecken. Aber unsere Aufgabe ist es, aktiv das Beste daraus zu machen. Was das für unsere neue Lebenswelt später bedeuten mag, kann ich nicht vorhersagen. Ich kann aber nur hoffen, dass der Weg hin zu mehr Mitgefühl, mehr sozialer Fairness gegenüber bisher benachteiligten Menschen und mehr Fokus auf das Miteinander führt.

LG Biene

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