Kolumne: Der Wert unserer Dinge

Wie viel Wert haben unsere Klamotten heutzutage noch? Heute habe ich euch zu diesen Thema einen Filmtipp mitgebracht und einige Argumente dafür, dass mit mehr Langsamkeit der Wert unserer Dinge wieder größer werden kann.

Stell dir vor, du backst einen vorzüglichen Kuchen. Kaufst extra Eier von glücklichen Hühnern auf dem Markt dafür, und besorgst die Milch separat vom Bauernhof. Misst deine Zutaten ab, backst den Teig auf den Punkt genau, und verzierst dein Meisterwerk am Ende noch mit aufwendigen Blumen aus Frosting.

Stell dir vor, du verkaufst deinen Kuchen nun. Was wäre er dir dabei wert?

Denn was wir häufig als Verbraucher machen, ist dies; wir messen den Dingen, die wir kaufen, keinen großen Wert mehr bei. 2 Euro für ein T-Shirt? Logo, toller Deal! Dass dahinter eine lange Kette an Manpower steckt, blenden wir dafür gerne aus. Dann würde uns ja bewusst werden, dass an diesen 2 Euro eigentlich keiner wirklich was verdienen kann.

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Von der Entwertung der Mode

Zu genau diesem Thema findet ihr auf Netflix gerade eine sehr spannende Doku; The True Cost von Andrew Morgan zeigt, was sich hinter den Kulissen von H&M, Zara und Co. abspielt. Welche Implikationen hat unser Konsum mit den Lebensumständen vieler Menschen in China oder Indien, was für Auswirkungen haben Baumwoll-Monokulturen auf unsere Gesundheit?
Diesen Fragen geht der Regisseur auf den Grund – zugegeben kein neues Thema. Die Fakten aus dem Film waren mir bereits im Vornherein bekannt, weil ich mich sowieso mit (Fast) Fashion beschäftige und mir bewusst bin, dass dieses System der schnellen Mode keinen langen Bestand haben kann.

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Interessant waren aber dennoch die psychologischen Einblicke in dieses verschwenderische Verhalten, das viele Menschen gerne an den Tag legen. Im Film wird erklärt, dass es bei Produkten eigentlich zwei Kategorien gibt; es gibt einerseits langfristige Anschaffungen, z.B. ein Haus, ein Auto usw., welche einen hohen Wert haben und lange von uns verwendet werden. Auf der anderen Seite gibt es die Produkte, die verbraucht werden (also z.B. unser Essen oder Waschmittel), und die im Einkauf nicht so viel kosten.

In welcher Kategorie seht ihr unsere Kleidung? 

Eigentlich ist Kleidung, an der mehrere Menschen arbeiten und die für uns quer über den Globus transportiert wird, doch eine langfristige Anschaffung. Jedoch ist durch die Entwicklung der schnellen Mode und unseres Konsumverhaltens aus Kleidung ein Verbrauchsgegenstand geworden – wir tragen unser 2 Euro T-Shirt einige Male, und lassen es dann für das nächste billige Teil liegen. Schließlich muss man ja Schritt halten mit den ca. 50 neuen Kollektionen, die pro Jahr in den großen Ketten herauskommen.

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Schöne Illusion des Reichtums

Diesbezüglich wird im Film The True Cost noch ein weiteres interessantes Argument gebracht. Einerseits sind die Firmen gezwungen, durch den Druck der schnell wechselnden Kollektionen die Kosten niedrig zu halten. Gleichzeitig wird dem Verbraucher suggeriert, er wäre reich genug, um sich Teile aus jeder der Kollektionen zu leisten – weil sie ja so günstig sind. Was natürlich Quatsch ist. In Wahrheit fallen wir nur auf minderwertige Qualität und schillernde Werbung herein – wirklich reich werden dadurch eigentlich nur Firmen.

Was wäre die Alternative?

Bewusster Konsum ist schon mal ein Anfang. Nicht mehr zum billigsten Shirt greifen, sondern aus Kleidung wieder das machen, was sie eigentlich ist – eine langfristige Anschaffung. Und bei solchen achtet man ja auch immer auf die Qualität, nicht die Quantität. Oder wie wäre es, einfach mal ein Teil weniger zu kaufen? Muss es wirklich das x-te schwarze Shirt sein? Ein bisschen mehr “nein” sagen und auf nachhaltigere Marken achten, damit würden wir schon viel bewegen, wenn jeder seinen kleinen Beitrag leistet.

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Auch, wenn ich die Fakten aus The True Cost bereits weitestgehend kannte, regt das Thema doch immer wieder zum Nachdenken an. Außerdem fühle ich mich durch solche Geschichten immer wieder von Neuem angestachelt, mehr auf Second Hand zu setzen, Dinge zu reparieren oder selbst zu machen (so wie hier), bevor ich meine Kleidung neu kaufe.

Achtet ihr auch auf nachhaltigere Mode? Lasst uns gerne im Kommentarbereich darüber schnacken!

LG Biene

7 Gedanken zu „Kolumne: Der Wert unserer Dinge“

  1. Wirklich sehr interessante Gedanken. Ich persönlich habe das Gefühl, dass sich das Bewusstsein für Qualität bei vielen mit der Zeit entwickelt. Mit 14 wollte ich einfach so viel wie möglich bei H und M im Sale für drei Euro kauen. Qualität ? Was ist das ? 😀
    Heute gehe ich auch in andere Läden, kaufe mir Sachen für mehr Geld, trage diese dann aber jahrelang und “pflege” sie auch gewissenhaft.
    Hat wirklich Spaß gemacht, deinen Text zu lesen.

    Liebste Grüße,
    Carmen <3

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    • Ooooh ja, das kenne ich! Wieviel Kram kriege ich für mein Taschengeld wohl in den Billoläden :D?
      Ich denke aber auch, dass man den Sinn für den Wert einer Sache schon Kindern beibringen kann, damit dieses Bewusstsein tief verankert wird. Es später erst zu lernen, kann für viele schwierig sein, denke ich.

      LG

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  2. Hey Biene,
    Von der Doku habe ich noch nicht gehört. Sie ist nun aber auf der Watch List. Es ist wichtig immer wieder über dieses Thema zu sprechen. Warum Primark und Co so gut ankommen liegt leider am Denken Vieler. Es muss immer das neuste Teil sein. Bei jedem Trend will man dabei sein…. aaaber es darf nichts kosten also bitte viel für wenig. Wenn ich teilweise Instagram Hauls von sogar erwachsenen Frauen sehe, die zeigen was sie alles für 200 EUR bei Primark geshoppt haben, bin ich echt entsetzt.
    Anstatt dass die Leute lieber ihren eigenen Stil finden wollen, wollen sie jeden Trend mitmachen.. vielleicht wird das auch durch soziale Medien verstärkt…

    Beim Konsum generell sollten wir einfach bewusster leben. Das betrifft Ernährung, Medien sowie Kleidung.
    Ich habe mich kürzlich mit dem Projekt Kleiderschrank beschäftigt, was in die gleiche richtig geht wie dein Beitrag 😉

    Liebe Grüße, Sandra aka hamburgstreetstyle.com

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    • Diese Hauls finde ich auch extrem erschreckend. Hier wird der Wegwerfgedanke zelebriert, wenn ein Mädels in dem Video dann z.B. erzählt, dass sie gar nicht weiß, warum sie das Teil jetzt überhaupt mit nach Hause genommen hat, weil es ihr ja eh nicht so gut gefällt. Aber mehr ist mehr, denken viele.
      Nachhaltig und bewusst konsumieren betrifft wirklich viele Bereiche. Gut, wenn man zumindest mit einem anfängt, und sich dann voran arbeiten kann 🙂
      Vielleicht helfen dir mit deinem Kleiderschrank ja auch meine Beiträge zum Thema ausmisten!
      LG

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  3. Hallo liebe Biene,
    ein toller Beitrag zu einem wichtigen Thema!
    Da ich (wie du auch) gerne nähe, ist mir bewusst, wie viel Arbeit in einem Kleidungsstück stecken und ich trage die meisten Teile in meinem Schrank mehrere Jahre lang. Der Filmtipp hört sich sehr interessant an! Werde ich mir auf jedem Fall mal anschauen!
    Liebe Grüße
    Susanne

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    • Mach dich bereit, dich beim Film zu empören ^^ Es ist leider kein vergnüglicher Film, aber führt einem notwendigerweise vor Augen, dass sich in unserem Konsumverhalten etwas ändern muss.
      LG

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